Fallus-Zigarre

Zigarren in der Popkultur: Eine Liebesgeschichte

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Die Zigarre ist nicht nur ein reines Genussmittel, nein, in der modernen Popkultur nimmt sie längst einen viel höheren Stellenwert ein. Sie gilt als spezielles Accessoire, das einer Person eine bestimmte Ausstrahlung verleiht.

Darum kommt die Zigarre auch so oft in Büchern und Filmen vor, so manch großer Held greift regelmäßig zum elegant gewickelten Tabak. Im letzten Jahrtausend geschah dies noch häufiger, doch auch das 21. Jahrhundert hat seine rauchenden Protagonisten.

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert“, schmunzelt der weißhaarige Hannibal Smith, bevor er sich die Zigarre lässig zwischen die Zähne klemmt. Das geschah nicht nur einmal, sondern gefühlte Tausende Male. Gemeint ist die in immer neuen Varianten wiederkehrende Schlussszene der 80er-Jahre-Actionserie „Das A-Team„. Hannibal, der Anführer einer seltsam durcheinandergewürfelten Truppe ehemaliger Militärs, fühlt sich mit seinen Jungs berufen, Menschen zu helfen, die sich in einer Notlage befinden. Dies gelingt ihm auch immer wieder mit durchschlagenden Mitteln. Souveränität und Erfahrung, das vermittelt uns dieser Charakter – und noch dazu eine gute Portion Brachialität, die allerdings nie wirklich jemandem wehtut.

Weil die Zigarre einst ein wahres Luxusgut war, haftet ihr noch immer etwas Elitäres an. Sie symbolisiert in Filmen deshalb häufig Überlegenheit und Macht, zum Beispiel bei Gangsterbossen, Politikern und Millionären. Nicht ohne Grund raucht Don Vito 1972 in „Der Patein aller Ruhe eine Romeo y Julietta, während er zeitgleich überlegt, wie sich der anstehende Mafiakrieg verhindern lässt. Auch Hugh Jackman als (fast) unschlagbarer Held Wolverine der „X-Men„-Filmserie gönnt sich gern mal eine Zigarre – und das in unserer modernen Zeit! Nicht fehlen darf in dieser Auflistung James Bond und seine Lust am Rauchen. In dem wertvollsten Franchise aller Zeiten tauchen Zigarren automatisch immer wieder auf, beispielsweise im Film „Die Another Day“ mit Pierce Brosnan. Hier besucht 007 persönliche eine entsprechende Manufaktur in Kuba, um sich seine kostbaren Rauchwaren abzuholen. In „Thunderball“ mit Sean Connery erhält James Bond ein Atemgerät für unter Wasser, das wie eine Zigarre aussieht.

Ein Symbol zivilisierter rauer Männlichkeit

Zigarren gelten oftmals als Symbol für eine raue und doch zivilisierte Männlichkeit, die dem berühmten Agenten sehr gut zu Gesicht steht. Allerdings tendiert Bond im Alltag eher zur Zigarette, während die besonderen Gelegenheiten der Zigarre vorbehalten sind. Mit der Zeit hörte er in den Filmen schließlich ganz auf zu rauchen, dies ist mit Sicherheit dem Zeitgeist geschuldet. Sein Erfinder Ian Fleming hatte diese Wandlung ganz und gar nicht im Sinn! Er erschuf James Bond als den Inbegriff eines eleganten Rauchers: ein Genussmensch, wie er im Buche steht, dem höchstens in den Sinn kam, ein paar Zigaretten weniger zu rauchen, aber niemals komplett den Tabak an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen.

Alle zigarrenrauchenden Filmhelden haben genau dies gemeinsam: Sie sind Genussmenschen und haben in der Regel auch nichts gegen hochwertige Spirituosen einzuwenden. Ob Wodka, Whiskey oder Cognac hängt dabei ganz vom jeweiligen Typ ab. Der Alkohol bietet eine angenehme geschmackliche Ergänzung zur Zigarre, aber auch in bewegten Bildern macht er sich neben den feinen Rauchwaren wirklich gut.

Dass Homer Simpson, Comicfigur aus der Serie „Die Simpsons“ gern mal ein kleines Bierchen trinkt, dürfte hinlänglich bekannt sein. Sein „Duff“ ist allerdings weder besonders hochwertig noch teuer – und stilvoll schon gar nicht. In einer Folge raucht der proletenhafte Held sogar eine Zigarre, die den Namen Jerk-Ass-Homer und Homers Gesicht als Markenzeichen trägt. Als er sie anschließend fortwirft, geht der gesamte Fast Food Boulevard in Flammen auf. An dieser Stelle ist wirklich alles anders: Der Protagonist ist weder schlau noch mächtig, sondern eher faul und inkompetent. Darum verkehrt sich auch die Zigarre ins Gegenteil: Sie mutiert vom Symbol für relaxte Männlichkeit zur wütenden Gefahr, weil sie jemand verwendete, der nicht das geringste Händchen für sie besaß. Auch das ist ein interessantes Stilmittel der Popkultur, das sich gerade im Comic hervorragend entfaltet.

Apropos Comichelden: Wer kennt nicht Tom und Jerry, die beiden tierischen Kontrahenten, die sich gegenseitig über die Mattscheiben jagen? Kater Tom zeigt sich ab und zu mal als Liebhaber der gepflegten Zigarre, allerdings eher, um damit anzugeben als sie still und heimlich zu genießen. Er sieht sich gern als erfahren und mächtig, doch in Wahrheit muss er doch immer wieder vor der kleinen, schlauen Maus kapitulieren, die wirklich mit allen Wassern gewaschen ist.

2006 zensierten die englischen Behörden zwei Raucherszenen aus „Tom und Jerry“ und machten damit europaweit Schlagzeilen. Ob das kontaminierte Material inzwischen wieder gezeigt werden darf, ist unbekannt. Die Entwicklung jedoch zeigt sich ähnlich wie bei James Bond: Wo sich der Zeitgeist ändert, da ändert sich auch die Popkultur und bringt neue Strömungen mit sich. Doch tut es noch immer gut, einen uralten Film zu schauen, der den neuen Gesetzmäßigkeiten völlig widerstrebt und uns daran erinnert, dass nichts auf der Welt unendlich ist.

Eines scheint allerdings gleich zu bleiben: Früher schon fiel der Zigarrenraucher deutlich auf, er setzte sich von seiner Umgebung ab. Das geschah nicht nur im Film, sondern auch im wirklichen Leben. Und auch wer sich heute gemütlich öffentlich eine Zigarre anzündet, besitzt ein gewisses Selbstverständnis, das sichtbar nach außen strahlt. Es besteht eben ein himmelweiter Unterschied zwischen einer Zigarette und einer Zigarre. Das wissen auch die Filmemacher und Comiczeichner.

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