Samstag, Dezember 16. 2017 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.17, NO.14 | ISSN 2366-6781
Der glorreiche Weg der kubanischen Zigarre

Der glorreiche Weg der kubanischen Zigarre

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Die Beliebtheit der Havannas stieg von Jahrzehnt zu Jahrzehnt – und somit auch die Verkaufszahlen.

Das änderte sich allerdings gegen Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts. Hatte der Erste Weltkrieg noch keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die Verkaufszahlen gehabt, so trieb die Weltwirtschaftskrise von 1929, gefolgt von einigen Mißernten, zahlreiche Fabriken an den Rand des Ruins. Auch der „American Trust“ blieb davon nicht verschont. Er hatte zahlreiche Marken in der „Casa de Hierro“ konzentriert, aber als er aufgrund der Krise die Gehälter der Arbeiter kürzen mußte und es zu einem großangelegten Streik kam, mußte er sich schließlich aus Kuba zurückziehen. Die Wirtschaftskrise betraf ebenfalls die Marke „Punch“, die mittlerweile zur Gruppe „Fernandez y Palacio“ gehörte. Auch nach der kubanischen Revolution gehört sie zu den beliebtesten Havannas in Europa.

Die Weltwirtschaftskrise

Mit Beginn der dreißiger Jahre wurde eine der turbulentesten Perioden in der Geschichte Kubas eingeläutet. Von der Diktatur zum Staatsstreich, über freie Wahlen zurück zur Diktatur. Es ist die Zeit des Fulgencio Batista y Zaldívar. Zwischen den zwei Weltkriegen steigt Havanna zur Metropole des Vergnügens und des Glücksspiels auf. Hier trafen sich die Berühmtheiten der Zeit und frönten der folie havanaise.

Aus dieser Zeit stammt auch eine der berühmtesten Havanna-Marken: die „Montecristo“. Ein reicher Spanier, Alonso Menéndez, dessen Neffe Benjamin Ménendez und ein renommierter Zigarren-Meister, Pepe García, gründeten in den zwanziger Jahren eine Zigarrenfabrik in Havanna. Sie kauften zunächst die bekannte Marke „Particulares“ auf und wagten sich schließlich 1935 an eine neue Marke, die für den Export bestimmt war: „Montecristo“. Der Markenname entstand in Anlehnung an den Helden von Alexandre Dumas Roman, der zu dieser Zeit in vielen Fabriken vorgelesen wurde.

Im Jahre 1940 produzierten vierzig Zigarrenfabriken in Havanna etwas über dreihundert Marken, die für den Export bestimmt waren. Die klangvollen Namen waren oft aus der Welt der Oper oder der Literatur entlehnt, „La Tosca“, „La Traviata“, „Victor Hugo“ oder „Shakespeare“ um nur einige zu nennen. Seit den vierziger Jahren verschwanden viele dieser Fabriken.

Schließlich brach die kubanische Revolution an und die Havanna wurde der ständige Begleiter der bärtigen Revolutionäre, an ihrer Spitze Fidel Castro und Ernesto „Che“ Guevara, beide glühende Verehrer der kubanischen Zigarre. Das Tabakjuwel trat erneut in den Dienst der Politik: in den Zigarren, die der Gefangene Fidel Castro während der Revolutionskämpfe von außen erhielt, waren Botschaften versteckt.

Als die Revolution siegte und Fidel Castro mit den Enteignungen und Verstaatlichungen begann, entschloß sich der amerikanische Präsident John F. Kennedy gegen Kuba ein Embargo zu verhängen. Zuvor hatte er aber seine Lagerbestände an Havannas noch einmal kräftig aufgefüllt.

Castro hatte die Idee, alle kubanischen Marken zu einer einzigen zu verschmelzen. Ein Vorhaben, das zum Glück nie realisiert wurde. Zwar verschwanden viele Marken bald vom Markt, so zum Beispiel die „Cabañas y Carbajol“, „Murias“, „Henry Clay“, „Farach“ und die „Villar y Villar“, es wurde aber auch eine neue Marke geboren. Eduardo Rivero, von Beruf Zigarrendreher, drehte in seiner Freizeit ungewöhnlich kleinformatige Zigarren mit einem äußerst feinen Aroma. Durch die Vermittlung eines Angehörigen der Leibgarde machte Castro Bekanntschaft mit diesen einzigartigen Zigarren und beauftragte Rivero mit der Gründung einer Fabrik. Die „Lancero de Cohiba“, so der Name der neuen Zigarre, wurde zur Zigarre Fidel Castros. Erst 1983 kam sie offiziell in den Handel.

Das amerikanische Embargo zwang Kuba, neue Märkte zu erschließen. So kam es zu der Vernunftehe Davidoff-Kuba. Die kubanischen Cohibas wurden nun unter dem Namen Davidoff in aller Welt vertrieben. Als die staatliche Gesellschaft „Cubatabaco“ sich entschloß die „Cohiba“ selber in den Handel zu bringen, kam es zu Differenzen zwischen Genf und Havanna, was schließlich 1983 den endgültigen Bruch dieser Handelsbeziehung nach sich zog.

Was bleibt, ist die Havanna-Zigarre, heute Visitenkarte des kommunistischen Regimes Castros, der mit ihr versucht, Devisen ins Land zu holen, um dem wirtschaftlichen Niedergang zu entgehen. 1997 wurden erstmals seit der schweren Wirtschaftskrise zu Beginn dieses Jahrzehnts mehr als 100 Millionen Havanna-Zigarren produziert, die der Insel Deviseneinnahmen in Höhe von 180 Millionen Dollar einbringen. | Credit: Jeanette Erfurth Zigarrenbox.de

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