Sonntag, Dezember 16. 2018 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.17, NO.01 | ISSN 2366-6781
Flirten

Verspielte Menschen haben Vorteile

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Erwachsene können ihren Hang zur Verspieltheit in vielen Situationen positiv nutzen. Sie sind gut im Beobachten, nehmen leicht neue Perspektiven ein und gestalten monotone Aufgaben für sich interessant.

Gleichzeitig ist Verspieltheit aber nicht gleichzusetzen mit Humor. Stattdessen brauche es dafür neue Begriffe, schreiben Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift „Personality and Individual Differences“.

Anders als bei Kindern ist Verspieltheit bei Erwachsenen bisher nur wenig erforscht. „Modelle der Verspieltheit im Kindesalter wurden oft auf Erwachsene übertragen. Dadurch gehen aber viele Aspekte verloren, zum Beispiel solche, die sich auf romantische Beziehungen oder intellektuelle Leistungen beziehen“, sagt PD Dr. René Proyer vom Institut für Psychologie an der MLU. Verspielte Menschen seien dazu in der Lage, Situationen aus ihrem Leben so umzudeuten, sodass sie diese zum Beispiel als unterhaltsam erleben oder sich das Stresslevel reduziert.

In mehreren Studien und Befragungen mit rund 3.000 Teilnehmern ist Proyer dem Phänomen bei Erwachsenen weiter auf den Grund gegangen. Er fand heraus: Verspieltheit lässt sich nicht anhand der fünf großen Persönlichkeitsmerkmale beschreiben, die häufig zur Beschreibung der Persönlichkeit herangezogen werden. Zu diesen zählen Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit und emotionale Stabilität. „Verspieltheit ist eine eigenständige Komponente, die Anteile dieser fünf globalen Dimensionen hat, aber nicht mit ihnen austauschbar ist“, so Proyer weiter. Die Studie zeige auch, dass Menschen, die sich selbst als verspielt beschreiben, auch von anderen so eingeschätzt werden. Und: Verspielte Menschen leben ihre Neigung auch in vielen alltäglichen Situationen aus.

Insgesamt identifiziert der Psychologe vier Grundtypen von verspielten Erwachsenen: „Es gibt Menschen, die gern mit Freunden und Bekannten herumalbern. Das beschreiben wir mit der auf andere ausgerichteten Verspieltheit. Leichtherzig verspielte Menschen dagegen sehen ihr ganzes Leben eher als Spiel“, so Proyer. Eine weitere Kategorie sind die Menschen, die gerne mit Ideen und Gedanken spielen – das beschreibt die intellektuelle Verspieltheit. Die Menschen könnten auch eintönige Aufgaben für sich interessant gestalten. Die letzte Gruppe beschreibt der Psychologe als extravagant Verspielte: „Menschen mit dieser Tendenz interessieren sich für seltsame und groteske Dinge und können sich an kleinen Beobachtungen im Alltag amüsieren.“

Die Studien zeigen, dass Verspieltheit bei Erwachsenen ganz unterschiedlich zum Ausdruck kommt und auch positiv zu bewerten ist. Gerade im deutschen Sprachraum ist sie aber eher negativ besetzt: Verspielte Menschen werden mitunter nicht ernst genommen oder als unzuverlässig eingeschätzt. Zu Unrecht, wie Proyer sagt: „Wenn es etwa um das Lösen komplexer Problemstellungen geht, können sie leicht die Perspektive wechseln. Dadurch finden sie ungewöhnliche und neue Lösungen.“

Die aktuelle Studie gebe auch Anreize für weitere Forschungsbereiche, wie der Evolutionspsychologie: Zwar hat Verspieltheit keinen direkten Überlebensvorteil, könnte aber bei der Partnerwahl und in Liebesbeziehungen eine wichtige Rolle spielen. Mit diesem Thema werden sich die halleschen Psychologen in den kommenden Monaten beschäftigen.

Zur Publikation: Proyer, René T. A new structural model for the study of adult playfulness: Assessment and exploration of an understudied individual differences variable. Personality and Individual Differences 108 (2017) DOI: 10.1016/j.paid.2016.12.011

Verspielte Erwachsene werden bei der Partnerwahl bevorzugt

Welche Eigenschaften schätzen junge Erwachsene an einem potentiellen Partner für langfristige Beziehungen? Eine neue Studie der UZH zeigt, dass es neben Freundlichkeit, Intelligenz, Humor auch Verspieltheit wichtig ist – bei Frauen und Männern gleichermassen. Verspielte Menschen schätzen auch Humor, Spassorientierung, Gelassenheit und Kreativität in Partnern als wichtiger ein, als nicht verspielte.

Verspielte Erwachsene mögen Wortspiele, improvisieren gern und gehen leichtherzig an eine Herausforderung heran, erfreuen sich an ungewöhnlichen Dingen, setzen sich spielerisch mit anderen auseinander, necken gerne – und gestalten eine Situation so, dass sie selber und andere dabei unterhalten werden: Verspieltheit beim Menschen zeigt sich in vielen Facetten. In der Psychologie ist die Verspieltheit im Erwachsenenalter noch vergleichsweise wenig erforscht und erst kürzlich hat der amerikanische Anthropologe Garry Chick von der Pennsylvania State University eine Theorie der Verspieltheit bei Erwachsenen entwickelt.

Sie geht davon aus, dass Verspieltheit ein erwünschtes Merkmal in der sexuellen Selektion ist: Sie zeigt den Frauen bei Männern geringe Aggressivität und den Männern bei Frauen Vitalität an. Eine erste Studie mit Befragungen unter US-Studierenden stützt diese These – und nun zeigen René Proyer und Lisa Wagner vom Psychologischen Institut der Universität Zürich in einer Studie, die nun im «American Journal of Play» publiziert ist, dass die Verspieltheit ebenfalls in der europäischen Kultur eine bedeutsame Rolle bei der Partnerwahl spielt.

Über 320 junge Erwachsene befragt

Die UZH-Forschenden haben ihre Folgestudie mit 327 jungen Erwachsenen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich durchgeführt. Aufgabe der Probandinnen und Probanden war es, in einer Liste mit 16 Eigenschaften jeweils anzugeben, ob sie diese an einer künftigen Partnerin oder an einem möglichen Partner für Langzeitbeziehungen wünschenswert finden oder nicht. Es zeigte sich, dass Männer und Frauen in der Rangreihe ihrer Einschätzungen sehr gut übereinstimmten – einzelne Ratings wiesen allerdings Unterschiede auf: Frauen fanden einen Sinn für Humor wichtiger als Männer und Männer fanden eine aufregende Persönlichkeit wichtiger als Frauen.

An vorderster Stelle rangierten Freundlichkeit, Intelligenz, Humor und Spassorientierung – Verspieltheit fand sich im Mittelfeld wieder, mit vergleichsweise wenig Abstand zu den Favoriten. «Diese Persönlichkeitseigenschaft scheint demnach ebenfalls wichtig für die Partnerwahl zu sein – wichtiger jedenfalls, als dass der Partner einen Hochschulabschluss hat, gute Erbanlagen hat oder religiös ist», führt Psychologe Proyer die Resultate aus.

Weitere Analysen zeigten ausserdem, dass jene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich selbst als verspielt beschrieben haben, selbst auch Verspieltheit, Humor, Gelassenheit, Spassorientierung und Kreativität unter potentiellen Partnerinnen und Partnern geschätzt haben. Darüber schätzten sich auch jene Teilnehmenden als verspielter ein, die sich aktuell in einer Partnerschaft befanden, als jene, die gerade Single waren. «Bei aller Vorsicht bei der Interpretation der Daten könnte dies ein Hinweis sein, dass Verspielte tatsächlich als attraktivere Partner wahrgenommen werden oder dass sich Verspieltheit in der Partnerschaft verstärkt entfaltet», so René Proyer.

Literatur: Proyer, R. T., & Wagner, L.. Playfulness in adults revisited: The signal theory in German speakers. American Journal of Play, 24. Februar, 2015.

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