Sonntag, Dezember 05. 2021 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.16, NO.44 | ISSN 2366-6781
Schlaf

Schlafprobleme am Wochenende? Grübeleien über unerledigte Aufgaben könnten der Grund sein

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Berufstätige die am Wochenende über unerledigte Arbeitsaufgaben sorgenvoll grübeln, schlafen schlechter. Wer dagegen auch kreativ und problemlösend über die liegengebliebenen Aufgaben nachdenkt, kann davon profitieren.

Zu diesem Schluss kommen Psychologen von der Universität Trier und der Fernuniversität Hagen in einer dreimonatigen Tagebuchstudie mit 59 Arbeitnehmern. Die Ergebnisse wurden jetzt im „Journal of Occupational Health Psychology“ veröffentlicht.

Freitags kurz vor Feierabend ist die Freude auf das Wochenende groß – endlich Zeit für Erholung von der anstrengenden Arbeitswoche. Viele Menschen fühlen sich aber auch an den freien Tagen von der Arbeit gestresst und schlafen dadurch schlechter. „Uns hat interessiert, ob das Grübeln über unerledigte Aufgaben ein Bindeglied zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen sein könnte“, sagt Conny Antoni, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Trier und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

„Wir unterscheiden zwischen zwei Arten des Grübelns über unerledigte Aufgaben: sorgenvolles Grübeln ist ein Zustand, in dem negative, wiederkehrende Gedanken über die Arbeit auftreten, ohne dass nach Lösungen gesucht wird. Problemlösendes Grübeln hingegen beschreibt das kreative, von der Arbeit losgelöste Nachdenken über Probleme. Mit unserer aktuellen Studie zeigen wir, dass beide Arten die Beziehung zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen unterschiedlich beeinflussen.“

Online Tagebuchstudie über drei Monate hinweg

An der Tagebuchstudie nahmen 59 Beschäftigte (76% Frauen) unterschiedlicher Branchen teil, die zugleich im Fernstudium Psychologie studierten. Die Beschäftigten wurden über 12 Wochen hinweg per Online-Fragebögen immer am Freitagnachmittag zu ihrem Arbeitsstress befragt, gemessen an erlebtem Zeitdruck und unerledigten Aufgaben am Ende der Woche. Montags direkt vor Arbeitsbeginn machten sie jeweils Angaben zu ihrer Schlafqualität, zu sorgenvollem Grübeln einerseits („An diesem Wochenende war ich angespannt, wenn ich über arbeitsbezogene Themen nachgedacht habe“) und zu problemlösendem Grübeln andererseits („An diesem Wochenende habe ich in meiner Freizeit Lösungen für arbeitsbezogene Probleme gefunden“).

Sorgenvolles Grübeln führt zu Schlafproblemen

Die Analysen zeigen: wer mehr unerledigte Aufgaben hat, ist stärker von Schlafstörungen betroffen. Der Zusammenhang zwischen sorgenvollem Grübeln und Schlafstörungen ist ebenfalls ein positiver: Beschäftigte, die viel sorgenvoll Grübeln, haben mehr Schlafstörungen. Der Zusammenhang zwischen problemlösendem Denken und Schlafstörungen ist entgegengesetzt, wenn auch nur schwach ausgeprägt. Beschäftigte, die problemlösend über unerledigte Aufgaben nachdenken, berichten weniger von Schlafstörungen.
Unerledigte Aufgaben regen sowohl sorgenvolles als auch problemlösendes Grübeln an. Eine Vermittlerrolle zwischen unerledigten Aufgaben und Schlafqualität zeigt sich aber nur für sorgenvolles Grübeln. „Unerledigtes führt so zu schlaflosen Nächten – denn gedanklich lässt es uns auch in der Freizeit nicht los“, folgert Christine Syrek, Psychologin und Hauptautorin der Studie.
Problemlösendes Grübeln erweist sich als besonders hilfreich für die Schlafqualität von Beschäftigten, die viel sorgevoll grübeln. „Problemlösendes Grübeln wirkt hier als eine Art Puffer. Die negative Wirkung des sorgenvollen Grübelns kann dadurch etwas aufgefangen werden“, erklärt Christine Syrek.

Zeitdruck, unerledigte Aufgaben und Schlafqualität

Der Zeitdruck am Ende einer Arbeitswoche hängt nicht direkt mit der Schlafqualität am Wochenende zusammen. Betrachtet man hingegen das Ausmaß an Zeitdruck über die drei Monate hinweg, zeigen sich Zusammenhänge zwischen Menge an Zeitdruck und Schlafstörungen.
Auch das Gesamtlevel an unerledigten Aufgaben über den Dreimonatszeitraum hinweg beeinflusst den Wochenendschlaf. Beschäftigte, die über drei Monate hinweg am häufigsten über unerledigte Aufgaben berichteten, schliefen an den Wochenenden schlechter – unabhängig von den unerledigten Aufgaben der jeweiligen Woche.

Arbeitsfähigkeit wird durch Arbeitsängste beeinträchtigt

Arbeitsängste sind spezielle Ängste, und unterscheidbar von klassischen Angsterkrankungen. Arbeitsängste beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit in besonderer Weise. Je nach Art der Arbeitsangst unterscheiden sich Betroffene im Ausmaß und im Muster ihrer Beeinträchtigungen. Das zeigt eine Studie mit 244 Reha-Patienten, die in der Fachzeitschrift „International Archives of Occupational and Environmental Health“ veröffentlicht wurde. Die Erkenntnisse bieten neue Ansatzpunkte für eine optimierte Wiedereingliederung von Arbeitnehmern nach längeren Krankschreibungszeiten.

Arbeitsängste sind Ängste, die sich auf Gegebenheiten oder Personen am Arbeitsplatz oder auf den Arbeitsplatz als Ganzes beziehen. Das können zum Beispiel arbeitsbezogene soziale Ängste sein, arbeitsbezogene Sorgen, oder phobische Ängste und Vermeidungsverhalten. „Aus der Rehabilitationsforschung wissen wir, dass Menschen mit Arbeitsängsten besonders häufig in eine Langzeitarbeitsunfähigkeit geraten, oder gar auf eine Frühberentung hinsteuern“, sagt Beate Muschalla. Die Rehabilitationspsychologin und Verhaltenstherapeutin erforscht seit langem, wie Arbeitsängste die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, und was man dagegen tun kann.

Studie mit 244 Reha-Patienten

In einer neuen Studie untersuchte sie 1610 Patienten einer Rehabilitationsklinik im arbeitsfähigen Alter (18-65 Jahre). Mit einem diagnostischen Interview identifizierte sie zunächst 244 Patienten mit Arbeitsangst und erfragte deren spezifische Ängste. Die von Arbeitsangst betroffenen Patienten wurden dann hinsichtlich der Beeinträchtigungen ihrer Arbeitsfähigkeit beurteilt. Grundlage hierfür war das international evaluierte Fremdbeurteilungsrating Mini-ICF-APP für psychisch bedingte Fähigkeitsbeeinträchtigungen. Mit diesem können 13 relevante (Arbeits-) Fähigkeitsdimensionen von Menschen beurteilt werden (u.a. Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Gruppenfähigkeit). Die Autorin analysierte den Zusammenhang zwischen Arbeitsängsten, Art der Fähigkeitsbeeinträchtigungen und den Arbeitsunfähigkeitszeiten im Zeitraum sechs Monate nach der Reha.

Spezifische Arbeitsängste gehen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen einher

Die Analysen zeigen, dass sich verschiedene Arbeitsängste im Ausmaß und Muster ihrer Fähigkeitsbeeinträchtigungen unterscheiden: Arbeitsbezogene soziale Ängste sind vor allem bei sozialen Kontakten am Arbeitsplatz beeinträchtigend, jedoch nicht hinsichtlich der generellen Anwendung von Wissen und Kompetenzen. Die Angst davor, die Arbeit unzureichend auszuführen oder nicht zu schaffen (Insuffizienzangst) geht einher mit einer schwächeren Durchhaltefähigkeit. Menschen mit ausgeprägtem arbeitsbezogene Sorgenverhalten haben oft Probleme mit der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit. Patienten mit Arbeitsplatzphobie zeigen eine erhöhte Beeinträchtigung ihrer Mobilität, speziell in der Fähigkeit, den Arbeitsplatz zu erreichen.

Mehr „Toleranzarbeitsplätze“

„Die moderne Arbeitswelt per se ‚macht‘ nicht ‚krank‘, sondern stellt zunehmend Anforderungen an kognitive und interpersonelle Leistungsfähigkeit, die Menschen mit psychischen Erkrankungen teilweise nicht erfüllen können. Immer mehr Beschäftigte mit psychischen Erkrankungen – epidemiologisch gesehen sind es 30% der Normalbevölkerung – laufen bei immer enger werdenden Anforderungen und Controlling Gefahr, aus der Arbeitswelt herauszufallen. Die Person-Umwelt-Passung muss wieder mehr beachtet werden. Nicht jeder Mensch muss alles können. Unsere Arbeitswelt braucht ‚Toleranzarbeitsplätze‘, damit auch zukünftig Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeitsprofilen arbeitsfähig bleiben“ sagt Beate Muschalla. „Die Erkenntnisse unserer Studie liefern uns auch wichtige Ansatzpunkte für Interventionen bei Arbeitsängsten, wie zum Beispiel Wiedereingliederungsmaßnahmen. Je nach Art der Arbeitsangst können gezielte Maßnahmen eingesetzt werden: Bei sozialen Ängsten kann zum einen ein soziales Kompetenztraining versucht werden, andererseits können auch Arbeitsplatzanpassungen hilfreich sein, wie die Versetzung aus einer reinen Verkaufstätigkeit in eine Tätigkeit mit mehr Büroarbeit.“

Gut schlafen

Schlafmediziner empfehlen, nicht mehr und nicht weniger als sieben bis acht Stunden zu schlafen. Der durchschnittliche Deutsche geht um 23:04 Uhr ins Bett, braucht 15 Minuten zum Einschlafen und startet um 6:18 Uhr in den neuen Tag; somit schlafen wir nachts rund sieben Stunden. Wie eine aktuelle Untersuchung feststellt, liegen die Deutschen damit in einem guten Bereich.

Die Untersuchung betrachtet den Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem Auftreten chronischer Erkrankungen. Dazu verglichen die Forscher Kurzschläfer (weniger als sechs Stunden) und Langschläfer (mehr als zehn Stunden) mit Normalschläfern (sieben bis neun Stunden). Bei der Auswertung zeigte sich, dass Kurz- und Langschläfer häufiger Übergewicht, Diabetes und koronare Herzerkrankung haben als Normalschläfer. Das bedeutet, dass sich sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf negativ auf den Blutzuckerspiegel auswirken kann.

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