Montag, Dezember 11. 2017 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.16, NO.34 | ISSN 2366-6781
Farben der Liebe

Die Farben der Liebe

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Die Farben der Liebe Chemnitzer Psychologin entwickelte Leitfaden fuer glueckliche Beziehungen

Frauen mit hohem Bildungsabschluss neigen verstaerkt zu einer spielerischen Form von Liebe und Partnerschaft, Frauen mit Hauptschul abschluss hingegen bevorzugen romantische Liebe oder eine Partnerschaft, in der sie sich selber aufopfern und die Wuensche des Partners in den Vordergrund stellen koennen. Zu diesen interessanten Feststellungen gelangte die Chemnitzer Psychologin Dr. Gertrud Katharina Pietsch in ihrer Studie „Die Farben der Liebe“. Fuer die von Prof. Dr. Hans-Werner Biefhoff (Fakultaet fuer Psychologie der Ruhr-Universitaet Bochum) betreute Dissertation befragte Dr. Pietsch insgesamt 120 Frauen zu deren Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft.

Leitfaden fuer glueckliche Beziehungen

Der Fruehling ist gekommen und mit ihm die sprichwoertlichen Fruehlingsgefuehle. Vom Winterschlaf erwachte Singles halten ploetzlich wieder Ausschau nach Gefaehrten fuer das Leben. Aber partnerschaftliche Beziehungen bergen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken fuer das individuelle Wohlbefinden. Insbesonders Frauen sind immer weniger bereit, diese Risiken zu tragen. Sie trennen sich und/oder suchen professionelle Unterstuetzung, sprich begeben sich in Therapie.

So konnte auch die Psychotherapeutin Gertrud Katharina Pietsch im Vorfeld ihrer Promotion beobachten, dass es „ueberwiegend Frauen sind, die eine Paartherapie initiieren und Partnerschaftsprobleme thematisieren“. In der therapeutischen Arbeit selbst war sie beeindruckt von der Unterschiedlichkeit dessen, was Klientinnen und Klienten unter „Liebe“ verstehen: die Vielfalt der Einstellungen, Gefuehle, Verhaltensweisen und damit verknuepft, die Erwartungen und Wuensche an den jeweiligen Partner. Aufgrund dieser Beobachtungen entstand die Idee zu einer empirischen Studie zum Thema Liebe und Partnerschaft.

Von den 120 befragten Frauen im Alter zwischen 21 und 59 Jahren, befanden sich zur Versuchszeit 60 in Therapie. Alle Frauen steckten in einer heterosexuellen Partnerschaft, die zwischen ein und 38 Jahren bestand. Die Zahl vergangener enger Beziehungen lag zwischen 0 und 15, die Zahl der Eine-Nacht-Beziehungen zwischen 0 und 40 (Mittelwert 2,5). Das Spektrum der Ausbildungen reichte von Hauptschul- bis Universitaetsabschluss, die Bandbreite der Berufstaetigkeiten erstreckte sich entsprechend von angelernten bis hin zu akademischen Taetigkeiten.

Der Fragebogen enthielt u.a. Fragen zu Beziehungsqualitaeten (Streitverhalten, Zaertlichkeit, Kommunikation), zur Einschaetzung des eigenen Gluecks und zu insgesamt 17 sogenannten Problembereichen (beispielsweise Haushaltsfuehrung, Kindererziehung, Freizeitgestaltung, Vertrauen, Eifersucht oder Verwandte). Anhand dieser und zahlreicher anderer Fragen versuchte Dr. Pietsch auch herauszufinden, ob sich in Therapie befindliche Frauen hinsichtlich der Einstellung zu Liebe und Partnerschaft von Frauen unterscheiden, die derzeit weder Therapieanliegen noch -erfahrung aufweisen.

Eine der Grundlagen fuer Pietschs Studie war das Marburger Einstellungs-Inventar fuer Liebesstile (MEIL), welches Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft wissenschaftlich erfasst und das die vielfaeltigen Variationen von Liebe in wertneutraler Weise systematisiert und auf sechs grundlegende Dimensionen reduziert: Eros (romantische Liebe, unmittelbare Anziehung durch den Partner, sexuelles Interesse); Ludus (spielerische Liebe, manchmal mit mehreren Partnern, Gefuehle werden nicht allzu ernst genommen); Storge (freundliche Liebe, keine intensiven Gefuehle, viele gemeinsame Interessen oder Erfahrungen); Mania (besitzergreifende Liebe, eifersuechtig und fordernd); Pragma (pragmatische Liebe, die Partner muessen zueinander passen); Agape (altruistische Liebe, die Beduerfnisse des Partners stehen im Mittelpunkt).

Analog zum Farbenspektrum koennen aus diesen „Grundfarben der Liebe“ unzaehlige Mischfarben, unterschiedliche Variationen von Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft entstehen. Die individuelle „Lieblingsfarbe“ kann sich ueber die Zeit und/oder abhaegig vom jeweiligen Partner veraendern.

Neben bereits oben skizzierten Ergebnissen fand die seit April 1994 an der TU Chemnitz- Zwickau arbeitende Psychologin heraus, dass die gluecklichsten Beziehungen sich durch eine UEbereinstimmung der Einstellungen zu Liebe und Partnerschaft auszeichnen. Unabhaengig vom Lebensalter der Paare stehen in fruehen Phasen von Liebesbeziehungen romantische Einstellungen und in langfristigen Partnerschaften pragmatische Einstellungen in engem Zusammenhang mit dem eingeschaetzten Glueck. Die Wahrnehmung von Intimitaet und Ver- trauen/Vertrautheit in der Partnerschaft stellt eine wichtige Grundlage fuer glueckliche, konfliktarme Beziehungen dar. Wesentliche Voraussetzung hierfuer ist der offene und kontinuierliche Austausch ueber die jeweiligen Einstellungen, Wuensche und Erwartungen der Partner.

Insgesamt moechte Dr. Pietsch mit ihrer Doktor-Arbeit zu einem besseren Verstaendnis beitragen, wie sich Frauen Liebe und Partnerschaft wuenschen, und wie beide Partner zu einer gluecklichen Partnerschaft beitragen koennen. Folgende Zielgruppen sind von daher angesprochen: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Psychologie, Psychotherapie, Sozialpaedagogik und Beratungswesen, aber auch interessierte Laien als Expertinnen und Experten fuer ihre persoenlichen Beziehungen. | Credit: Dr. Gertrud K. Pietsch, Dipl.-Ing. Mario Steinebach – Technische Universität Chemnitz

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