Samstag, September 23. 2017 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.16, NO.34 | ISSN 2366-6781
Winston Churchill Zigarre

Winston Churchill: Zigarre, Whisky und Austern

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Die Gestalt des britischen Ministerpräsidenten Winston Churchill kann man sich kaum ohne Zigarre vorstellen.

Aber nicht seltener, als mit einer Havanna, erschien Churchill mit einem Glas Whisky in der Hand. Der Politiker Anthony Eden erwähnt in seinen Aufzeichnungen, wie Churchill einmal um 8:45 morgens Whisky Soda trank.

In seinen jungen Jahren, während des Burenkriegs, war er auf den Geschmack von Whisky gekommen. „Als ich während dem Krieg in Südafrika Truppenoffizier war, war das Wasser nicht trinkbar,“ erzählte Churchill. „Um es trinkbar zu machen, mußte man Whisky dazu tun“. Seiner Vorliebe für dieses Getränk blieb er sein ganzes langes Leben treu. Sein Hausmeister Norman McGowan erinnerte sich: „Ca. eine Stunde nach dem Frühstück setzte ich ihm seine erste Portion Whisky Soda vor.

Feldmarschall Montgomery hat sich einmal anvertraut: „Ich trinke nicht. Ich rauche nicht. Ich schlafe viel. Dies sind die Gründe, warum ich hundertprozentig in Form bin.“

Churchill antwortete dürr: „Ich trinke viel. Ich schlafe wenig. Und ich rauche eine Zigarre hinter der anderen. Dies sind die Gründe, warum ich auf 200% in Form bin“.

Mundwasser zum Frühstück

Im Laufe des Tages blieb das Glas nie leer, allerdings trank er sehr langsam, schlürfte zerstreut ab und zu, so daß jedes Glas für zwei Stunden reichte“. Dabei war der Whisky stark mit Sodawasser verdünnt, und die Eiswürfel lösten sich unterdessen ganz auf. Also kam dabei ein ziemlich schwacher Whisky heraus. Der britische Premier selbst nannte diese Mischung „Mundwasser“. Nach dem Essen trank Churchill Portwein und Brandy. Praktisch täglich zollte er seinem Lieblingschampagner Tribut. Bei der Treffen der „Großen Drei“ während des Zweiten Weltkriegs hatte Churchill die Gelegenheit, armenische und georgische Weinbrände zu probieren. Darüber, welchen Eindruck sie auf ihn machten, werden Legenden erzählt.

Man sagt, Churchill habe bei Stalin kistenweise Weinbrand bestellt. Es stimmt schon, daß Winston Churchill viel Alkohol trank, Menschen, die ihn kannten, sagten: „Essen ohne Wein ist für ihn kein Essen“. Dabei konnte kaum jemand behaupten, er hätte ihn trunken gesehen.

In der Jugend mußte der spätere Ministerpräsident un Nobelpreisträger persönlich Pulver riechen, und gerade damals erwarb er Kenntnisse im Kochen. Churchill mußte mehrmals auf offenem Holzfeuer Soldatenkost zubereiten. Darum konnte er, wie man sagt, schon als berühmter Politiker zuweilen für bestimmte Gäste selbst ein ganzes Mittagessen machen.

Extravaganter Lebensstil

Churchill war bekannt für seine Vorliebe für einen komfortablen und teueren Lebensstil. Der große Politiker kannte sich mit dem Essen aus. Seine Sekretärin Phyllis Moir charakterisierte ihn wie folgt: „Er war nie ein hervorragender Esser, dafür aber ein Schätzer des guten Essens“. Dabei kann er kaum als Feinschmecker bezeichnet werden: Churchill mochte keine exotischen und komplizierten Gerichte.

Im Hinblick darauf, daß Churchill 90 Jahre lang gelebt hat, erhebt sich die Frage: Soll man es denn mit dem Essen so genau nehmen und mäßig sein? Ganz zu schweigen von Zigarren und Alkohol? Allerdings spricht sich herum, daß Churchill 20 Jahre vor dem Tod das Rauchen und Trinken eingestellt hat, obwohl er auf Fotos nach wie vor mit seiner berühmten „Havanna“ zu sehen war. In Wirklichkeit ließ der Gesundheitszustand des so alt Gewordenen viel zu wünschen übrig. Dabei war Sir Winston ein Vielesser.

Zum Frühstück hatte er gewöhnlich Melone, Omelette oder Spiegelei mit Bacon, Rinderkotelett oder Hähnchen, Toster mit Marmelade. Und trank viel Kaffee mit Sahne. Zum Lunch konnte er Seezungenfilet mit Räucherlachs und Garnelen nehmen und hinterher noch Rehbraten, Stopfleber, Gänseleberpastete, Trüffelsauce. Er aß gern Austern (er mochte generell Meeresfrüchte), Rostbraten mit Yorkshire Pudding und Gemüse.

Hauptmahlzeit: ein gutes Gutgespräch

Mit 88 Jahren konnte sich Churchill etwa folgendes Mittagessen im Hotel Savoy leisten: Er fing bei Austern und Champagner an und ging zur Cremesuppe aus grünen Erbsen mit einem Glas Sherry über. Anschließend nahm er Heilbuttfilet mit Rahmsauce und trank dazu Pouilly-Fuisse. Dann richtete Churchill sein Augenmerk auf das Rinderfilet Wellington mit Karotten und Kartoffeln, in Begleitung von Burgunderwein. Zum Nachtisch nahm er gebrannte Creme mit einem Glas Madeira.

Abschließend bestellte er vollreifen Blue Stilton und ein Glas abgelagerten Portwein. Nach dem Kaffee wurde das herrliche Mahl mit einer Zigarre und Cognac gekrönt. Auch trank Churchill vor dem Schlafengehen, unabhängig davon, was er zu Abend gegessen hatte, eine Tasse kalte Kraftbrühe.
Für das wichtigste Gericht jeder Mahlzeit hielt Churchill allerdings ein gutes Gespräch – und sich selbst für den besten Gesprächspartner. | Credit: STIMME RUSSLANDS

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