Montag, August 21. 2017 | Magazin für besondere Zigarrenliebhaber | Vol.16, NO.26 | ISSN 2366-6781
Havana Club Justitia

Streit um „Havana Club“ kocht wieder hoch

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Die Auseinandersetzung zwischen Kuba und der Europäischen Union auf der einen Seite und den Vereinigten Staaten von Amerika auf der anderen Seite hat mit einer Skandalsitzung vor der Welthandelsorganisation (WTO) ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Hintergrund des Rechtsstreits ist der Umstand, dass die USA weiterhin an einem Gesetz aus dem Jahr 1998 festhalten, welches es der auf den Bermudas ansässigen Marke Bacardi-Martini gestattet, den markenrechtlich geschützten Namen Havana Club für die eigenen Produkte zu nutzen.

Die Marke Havana Club ist Eigentum eines kubanischen Unternehmens, das seit Mitte der neunziger Jahre mit der französischen Unternehmensgruppe Pernot Ricard kooperiert.

Die Welthandelsorganisation, die ihren Sitz in Genf hat und die Einhaltung der Handelsvereinbarungen zwischen seinen 159 Mitgliedsländern überwacht, verurteilte das US-Gesetz bereits im Jahr 2002, nachdem die Europäische Union im Jahr 1999 dagegen geklagt hatte.

Die WTO sah schon damals im US-Gesetz einer Verletzung der internationalen Normen und verpflichtete die Vereinigten Staaten zu einer Modifizierung innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens.

Dieses Gesetz, mit dem kubanische Namensrechte verletzt werden ist Bestandteil der seit dem Jahr 1960 bestehenden totalen finanziellen und ökonomischen Blockade, die die damalige US-Regierung unter John.

Der kubanische Staatskonzern „Cubaexport“ hat sich im Januar 2016 in den USA den Markennamen „Havana Club“ vom Patentamt rechtlich schützen lassen.

Die kontinuierlichen Annäherungen zwischen den einst erbittert verfeindeten Staaten USA und Kuba geht damit, vor allem auf dem Wirtschaftssektor, weiter voran. Die Entscheidung der US-Behörden zu Gunsten von „Cubaexport“ ist jedoch nicht ohne Sprengstoff, denn auch das auf den Bermudainseln ansässige Unternehmen „Bacardi“ behauptet, Eigentümer der Namensrechte des beliebten Rums zu sein und hat bereits angekündigt, gegen die amtliche Entscheidung juristisch vorgehen zu wollen.

Wie alles Begann – Kleine Geschichte von „Havana Club“

Mitte des 19. Jahrhunderts gründete der ausgewanderte Spanier José Arechabala auf Kuba eine Rumdestillerie, die mit wachsendem Erfolg, und nach dem Zusammenschluss mit anderen örtlichen Destillerien, ab 1921 in der Gesellschaft „José Arechabala S.A.“ aufging. Nach dem Tod des Gründers kurze Zeit später blieb das Unternehmen in Familienhand. Im Jahr 1935 wurden erstmals Erzeugnisse der Destillerie unter dem Markennamen „Havana Club“ verkauft. Fast zeitgleich eröffnete die „José Arechabala S.A.“ eine gleichnamige Bar im Zentrum Havannas, welche maßgeblich an der Popularität und der Internationalen Bekanntheit der Marke beteiligt ist. Das Exportgeschäft stieg und das Unternehmen ließ sich den Markennamen auch in den USA schützen.

Staatliche Enteignung, Joint Venture und der doppelte Markenname

Nach der kommunistischen Revolution 1960 wurde Eigentümerfamilie Arechabala durch Fidel Castro entschädigungslos enteignet und das Unternehmen wurde dem staatlichen Konzern „Cubaexport“ angegliedert, die Familie flüchtete daraufhin in die USA. 1973 lief das Markenrecht in den USA aus, der bisherige Rechteinhaber, die Arechabalas, verlängerten die Namensrechte nicht, woraufhin „Cubaexport“ die Markenrechte übernahm und „Havana Club“ weltweit vertrieb (außer in den USA, wegen des US-Embargos). 1993 ging „Cubaexport“ ein Joint Venture mit dem französischen Wein- und Spirituosen-Konzern „Pernod Ricard“ ein, worauf die Absatzzahlen rasant anstiegen und „Havana Club“ weltweit zu einer der meistverkauftesten und beliebtesten Rum-Marke wurde.

Ungeachtet dieser Ereignisse verkaufte die einstige Eigentümerfamilie Arechabala die Marke „Havana Club“ 1995 an das Unternehmen „Bacardi“, welches daraufhin enormen Einfluss auf die US-amerikanische Politik ausübte und bedeutende Gesetzesänderungen erwirkte. Seit 2006 vertreibt „Barcadi“ in den USA einen nicht auf Kuba gebrannten Rum unter der Marke „Havana Club – Puerto Rican Rum“. Versuche, diese Marke auch in anderen Ländern zu verkaufen, scheiterten an den rechtlichen Gegenmaßnahmen von „Pernod Ricard“.

Ungeklärte Rechtsfragen sorgen für eine ungeklärte Zukunft

Die juristischen Unklarheiten im gesamten Markenstreit gründen seit Jahrzehnten in zwei Fragen: Erstens – Ist der Verkauf der Marke an „Bacardi“ rechtswirksam gewesen, da die Familie Arechabala möglicherweis gar nicht mehr Eigentümer von „Havana Club“ war? Zweites – War die Enteignung der Familie gesetzmäßig und dürfen Nachfolgeunternehmen daraus rechtmäßig Profit schlagen? Fragen, die trotz zahlreicher Rechtsstreite zwischen den betroffenen Unternehmen weltweit, noch nicht grundlegend geklärt werden konnten.

Mit der kürzlich getroffenen Entscheidung, dass „Cubaexport“ nun auch das geschützte Markenrecht in den USA besitzt, hat die US-Regierung ein klares Signal gesendet. Auch wenn das Handelsembargo weiterhin besteht, „Cubaexport“ damit noch lange kein Verkaufsrecht erworben hat und es wohl noch einige Zeit dauern dürfte, bis kubanischer „Havana Club“ in den USA im Verkaufsregal steht, ist „Bacardi“ alarmiert. Auf dem ohnehin schwierigen Spirituosenmarkt Markt wäre der Konkurrent aus Kuba ein schwerer Schlag.

Potential für mehr – Ende des Streits ist nicht in Sicht

Bacardi-Manager Rick Wilson kündigte bereits an, erneut in den Kampf zu ziehen und die letzte Entscheidung der amerikanischen Behörden nicht ohne weiteres akzeptieren zu wollen. Hinter dieser offenen Haltung gegenüber „Cubaexport“ vermuten Experten eine Strategie des beiderseitigen Entgegenkommens der Staaten USA und Kuba. Im Zentrum stehen die Verhandlungen über Reise- und Handelserleichterungen. Erst Recht aus dieser Perspektive, stößt die Wendung im jahrzehntelangen Markenstreit um „Havana Club“ bei „Bacardi“ sicher sauer auf. | Credit: Best-Bottles – amerika21.de

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